Eine Frage der Macht

Zuletzt aktua­li­siert am 30. August 2020 durch Jür­gen Voskuhl

Eigent­lich ist die Sache so ein­fach wie klar: Um die Aus­wir­kun­gen den men­schen­ge­mach­ten Anteils am Kli­ma­wan­del zu mini­mie­ren, müs­sen wir sämt­li­che fos­si­len Brenn­stof­fe im Boden las­sen. Und das bes­ser schon ab heu­te als ab morgen.
War­um ist das also nicht schon längst pas­siert? Und wie kön­nen wir dafür sor­gen, dass es passiert?

Kur­ze Rück­blen­de: Der Treib­haus­ef­fekt wur­de bereits 1824 von dem fran­zö­si­schen Mathe­ma­ti­ker und Phy­si­ker Joseph Fou­rier ent­deckt, ver­bun­den mit der Annah­me, dass die Erd­at­mo­sphä­re iso­lie­ren­de Eigen­schaf­ten besitzt, die einen Teil der ein­fal­len­den Wär­me­strah­lung dar­an hin­dert, in den Welt­raum reflek­tiert zu werden.

1896 rech­ne­te der schwe­di­sche Phy­si­ker und Che­mi­ker Svan­te Arrhe­ni­us vor, dass mehr CO₂ in der Atmo­sphä­re zwangs­läu­fig zu einer Tem­pe­ra­tur­er­hö­hung führt.

Im Jahr 1912 erschien in ver­schie­de­nen Zei­tun­gen in Aus­tra­li­en und Neu­see­land ein Arti­kel, der vor der Tem­pe­ra­tur­er­hö­hung und deren Aus­wir­kun­gen „in eini­gen Jahr­hun­der­ten” warnt:

Klimakrise: Coal consumption affecting climate
Aus­ge­hend von einer wis­sen­schaft­li­chen Arbeit von Har­mon Craig, die in 1957 ver­öf­fent­licht wur­de, wird das The­ma schließ­lich auch von einer brei­te­ren Öffent­lich­keit ernst genommen.

Warum "Leave it in the ground" nicht funktioniert hat – und auch heute (noch) nicht funktioniert

Das Pro­blem des anthro­po­ge­nen (men­schen­ge­mach­ten) Kli­ma­wan­dels ist also auf kei­nen Fall neu oder über­ra­schend! Nie­mand kann behaup­ten „Wir haben das nicht gewusst”.
Da stellt sich die Fra­ge: War­um dau­ert es so lan­ge, bis wir die Ursa­chen abstel­len? War­um las­sen wir die fos­si­len Brenn­stof­fe nicht ein­fach im Boden?

War­um las­sen wir die fos­si­len Brenn­stof­fe nicht schon längst im Boden?

Ein Grund­pro­blem ist unser kapi­ta­lis­tisch ori­en­tier­tes Wirt­schafts­sys­tem: Es basiert auf stän­di­gem (unend­li­chem) Wachs­tum. Unend­li­ches Wachs­tum ist aber auf einem end­li­chen Pla­ne­ten nicht mög­lich. Dar­aus ergibt sich bereits der ers­te grund­sätz­li­che Dissens.

Unser kapi­ta­lis­tisch ori­en­tier­tes Wirt­schafts­sys­tem basiert auf unend­li­chem Wachstum.
Unend­li­ches Wachs­tum ist aber auf einem end­li­chen Pla­ne­ten nicht möglich.

Schau­en wir uns außer­dem die Akteu­re und ihre Inter­es­sen an.
Da ist auf der einen Sei­te die Gesell­schaft. Also Du, ich, unse­re Fami­li­en, alle Men­schen auf der gan­zen Welt. Die Gesell­schaft hat pri­mär den Wunsch, in einer intak­ten Welt zu über­le­ben. Vor­zugs­wei­se ohne Hun­ger, Not, Elend.

Auf der ande­ren Sei­te ste­hen die­je­ni­gen, deren Exis­tenz durch das Ende der För­de­rung fos­si­ler Brenn­stof­fe mas­siv bedroht ist oder die zumin­dest erheb­li­che wirt­schaft­li­che Nach­tei­le dadurch hätten:

  • Die Öl- und Gasindustrie
  • Die gro­ßen Ener­gie­er­zeu­ger (in Deutsch­land die „Big4”, also :  E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall)
  • Die eta­blier­ten Auto­mo­bil­her­stel­ler (damit beschäf­ti­ge ich mich in die­sem Bei­trag)

Die­se Unter­neh­men sind in ers­ter Linie ihren Inves­to­ren, bezie­hungs­wei­se Anteils­eig­nern ver­pflich­tet. Inner­halb einer Bran­che han­delt es sich meist um eine über­schau­ba­re Anzahl von Unter­neh­men, also um ein Oli­go­pol. Was bedeu­tet das?
Vor­der­grün­dig geht es um Markt­macht: Bei der Fest­le­gung ihrer Prei­se, Pro­duk­ti­ons­men­gen und Güter­qua­li­tä­ten müs­sen die­se Unter­neh­men kaum auf Wett­be­werb, geschwei­ge denn auf Reak­ti­on der Nach­fra­ger ach­ten. Denn die Nach­fra­ger haben ja kei­ne Hand­lungs­al­ter­na­ti­ve außer­halb des Oligopols.
Es geht aber auch um poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Macht! Mit sehr viel Geld (wor­über die betref­fen­den Kon­zer­ne zwei­fel­los ver­fü­gen) lässt sich Poli­tik beein­flus­sen, man kann sich die Deu­tungs­ho­heit über bestimm­te Begrif­fe und The­men "erkau­fen", wie wir nach­fol­gend noch sehen werden.

Unab­hän­gig davon wol­len auch die­se Unter­neh­men über­le­ben, mög­lichst wei­ter wach­sen. Das funk­tio­niert aus nahe lie­gen­den Grün­den am ein­fachs­ten durch Bei­be­hal­tung des eta­blier­ten und bis­her erfolg­rei­chen Geschäfts­mo­dells. Kon­kret: indem man die bestehen­de Abhän­gig­keit der Kun­den vom eige­nen Unter­neh­men beibehält.

Eben die­se Geschäfts­mo­del­le (und damit auch die Unter­neh­men selbst) wären durch einen För­der­stopp für fos­si­le Brenn­stof­fe unmit­tel­bar bedroht. Also haben sie „Gegen­maß­nah­men” getrof­fen – und tun dies auch heu­te noch. Die­se schau­en wir uns nach­fol­gend an. Dabei begin­nen wir mit der Öl- und Gasindustrie.

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Tarnen, täuschen, lügen, verzögern: die Gegenmaßnahmen der Öl- und Gasindustrie

Dort war bei­spiels­wei­se dem Exxon-Kon­zern (in Deutsch­land vor allem durch das Toch­ter­un­ter­neh­men Esso bekannt) bereits seit 1977 bekannt, dass der CO₂-Aus­stoß durch das Ver­bren­nen fos­si­ler Brenn­stof­fe das Kli­ma erwärmt und eine poten­zi­el­le Gefahr für die Mensch­heit dar­stellt.

Lei­der ent­schied sich Exxon damals nicht dafür, die Alarm­glo­cke zu läu­ten und die gan­ze Welt aufzurütteln.
Statt­des­sen ent­wi­ckel­te der Kon­zern eine Stra­te­gie, die dafür sor­gen soll­te, dass „der Durschnitts­mensch Zwei­fel an der Kli­ma­for­schung hegt”.

Gewon­nen haben wir, sobald der Durch­schnitts­mensch Zwei­fel an der Kli­ma­for­schung hegt”

Das kann man detail­liert in dem oben ver­link­ten Bei­trag nach­le­sen. Beson­ders ein­drucks­voll ist auch die Ver­neh­mung von zwei Zeu­gen (ehe­ma­li­ge Exxon-Bera­ter) durch Rep. Alex­an­dra Oca­sio-Cor­tez (Video in engl. Sprache):

Die­ser Vor­gang ist ledig­lich ein Bei­spiel für die Tat­sa­che, dass Kon­zer­ne, die „mit dem Rücken zur Wand ste­hen” alles (ja, wirk­lich alles!) unter­neh­men, um Aus­wir­kun­gen auf ihr bestehen­des Geschäfts­mo­dell im bes­ten Fal­le zu ver­hin­dern, min­des­tens aber zu ver­zö­gern. Dafür wen­den Sie enor­me Men­gen Geld auf. Aber was pas­siert mit die­sem Geld?

Das Drehbuch

Der Ablauf ist immer der glei­che: Zunächst wer­den ein­zel­ne Auto­ri­tä­ten des jewei­li­gen Fach­ge­biets (bezie­hungs­wei­se käuf­li­che, gege­be­nen­falls fach­frem­de Wis­sen­schaft­ler/-innen, die sich als sol­che aus­ge­ben) und kon­ser­va­ti­ver Think Tanks finan­ziert, um eine „Pseu­do­wis­sen­schaft” auf­zu­bau­en, wel­che den wis­sen­schaft­li­chen Kon­sens durch bewuss­tes Säen von Zwei­feln untergräbt.
Hier­zu gehört bei­spiels­wei­se das unter ande­rem durch Exxon finan­zier­te Heart­land Insti­tu­te oder das „Euro­päi­sche Insti­tut für Kli­ma & Ener­gie (EIKE)” mit Sitz in Jena.

Die Metho­den die­ses Kli­ma­wan­del­skep­ti­zis­mus las­sen sich dabei fol­gen­der­ma­ßen zusammenfassen:

  • Trend­leug­nung
    Abstrei­ten, dass sich die Erde der­zeit erwärmt
  • Ursa­chen­leug­nung
    Abstrei­ten, dass der Effekt men­schen­ge­macht ist
  • Kon­sens­leug­nung
    Bestrei­ten, dass die Kern­aus­sa­gen in der For­schung seit lan­gem unstrit­tig sind
  • Fol­gen­leug­nung
    Abstrei­ten, dass die Erwär­mung gro­ße gesell­schaft­li­che und öko­lo­gi­sche Pro­ble­me zur Fol­ge hat

Wer mehr dar­über erfah­ren möch­te, dem sei das Buch „Mer­chants of Doubt: How a Handful of Sci­en­tists Obscu­red the Truth on Issues from Tob­ac­co Smo­ke to Glo­bal Warm­ing” von Nao­mi Ores­kes und Erik M. Con­way emp­foh­len (auch als Video ver­füg­bar)

Vom Marketing zu „leiser PR”: Nur ein kleiner Schritt

Oft ver­wen­den die Kon­zer­ne das Geld auch zur Ent­wick­lung geziel­ter Mar­ke­ting-Kam­pa­gnen, wel­che die öffent­li­che Mei­nung in die gewünsch­te Rich­tung beein­flus­sen sol­len. Der eigent­li­che Urhe­ber ist dabei oft­mals eben­so wenig erkenn­bar wie die Tat­sa­che, dass es sich über­haupt um Mar­ke­ting han­delt. Dies ist bei­spiels­wei­se der Fall, wenn Pseu­do-Fach­leu­te in Talk­shows oder als Vor­tra­gen­de bei Kon­gres­sen oder in Inter­views plat­ziert werden.
In sol­chen Fäl­len spricht man auch von „lei­ser PR”. Klaus Mül­ler hat das in sei­nem Arti­kel exzel­lent beschrieben.

Der Lob­by­is­mus ist der klei­ne Bru­der der Korruption.

Dar­über hin­aus beschäf­ti­gen die betref­fen­den Unter­neh­men gan­ze Heer­scha­ren an Lob­by­is­ten, deren Auf­ga­be vor allem dar­in besteht, Ein­fluss auf die Poli­tik zu neh­men. Dies geschieht durch das Beein­flus­sen von Poli­ti­ker/-innen, indem die Lob­by­is­ten Ein­fluss auf Geset­zes­in­hal­te neh­men oder Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren verzögern.

Andere Akteure springen auf den fahrenden Zug

Zu den hand­fes­ten Kon­zern­in­ter­es­sen gesel­len sich oft auch poli­ti­sche und ideo­lo­gi­sche Moti­ve ande­rer Akteu­re, die auf den fah­ren­den Zug auf­sprin­gen. Ein gutes Bei­spiel dafür ist die Par­tei Alter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD), wie Susan­ne Göt­ze hier aufzeigt.

Hin­zu kom­men die Medi­en, die ihre Auf­la­ge und die Anzahl der Klicks stei­gern wol­len: eine Kon­tro­ver­se ver­kauft sich halt bes­ser als ein Konsens.

Durch die beschrie­be­nen Metho­den wur­den ernst­haf­te Maß­nah­men gegen den anthro­po­ge­nen (men­schen­ge­mach­ten) Kli­ma­wan­del bis­her bereits um 40 Jah­re verzögert.

Die Situation heute

Aktu­ell lässt sich der Kli­ma­wan­del ange­sichts der Hal­bie­rung der Flä­che des ark­ti­schen Eises inner­halb der letz­ten 30 Jah­re, tau­en­der Per­ma­f­rost­bö­den sowie im aktu­el­len Umfang noch nie dage­we­se­ner Feu­er in Sibi­ri­en oder Aus­tra­li­en nicht mehr weg­dis­ku­tie­ren. Anzwei­feln funk­tio­niert nicht mehr, also muss eine neue Stra­te­gie her!

Der­zeit  sind die Unter­neh­men der Öl- und Gas­in­dus­trie bemüht, sich der Mensch­heit als umwelt­freund­li­che Unter­neh­men zu ver­kau­fen. Dies erfolgt bei­spiels­wei­se, indem weni­ge Pro­zent der Kon­zern­um­sat­zes in erneu­er­ba­re Ener­gien (EE) gesteckt wer­den und die­se Tat­sa­che dann im Rah­men einer geeig­ne­ten Wer­be­kam­pa­gne beson­ders her­aus­ge­stellt wird (soge­nann­tes Greenwashing).
Fer­ner ist die Indus­trie bemüht, Erd­gas als umwelt­freund­li­chen Brenn­stoff dar­zu­stel­len, indem es bei­spiels­wei­se als blau­er oder tür­ki­ser Was­ser­stoff daher­kommt. Das Ziel auch hier: bestehen­de Geschäfts­mo­del­le fort­füh­ren – mit einer ande­ren Ware, die aber aus der glei­chen Quel­le stammt.

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Energiekonzerne: Ein anderes Spielfeld, das gleiche Spiel

Vor einer ähn­li­chen Her­aus­for­de­rung stan­den und ste­hen auch die gro­ßen deut­schen Ener­gie­kon­zer­ne: Die (dezen­tra­le) Energiewende.
Eben­so wie in der Öl- und Gas­in­dus­trie geht es zum einen dar­um, fos­si­le Brenn­stof­fe durch CO₂-freie Ener­gie­trä­ger zu erset­zen (gegen Ende des 20. Jahr­hun­derts spiel­te auch die Kern­ener­gie noch eine Rol­le, was sich dann 2011 durch den deut­schen Atom­aus­stieg anläss­lich  der Reak­tor-Kata­stro­phe von Fuku­shi­ma erle­dig­te). Dies ist offen­sicht­lich durch die Nut­zung von Son­nen­en­er­gie, Wind, Wel­len, Bio­gas und so wei­ter möglich.
Die Unter­neh­men müs­sen also min­des­tens ihre (längst abge­schrie­be­nen) Koh­le­kraft­wer­ke abschal­ten und auf die Erzeu­gung von Strom und Wär­me durch erneu­er­ba­re Ener­gien umstei­gen. Hier­für sind Inves­ti­tio­nen nötig. Für sich genom­men wür­den die aber ver­mut­lich nicht mal ein Pro­blem darstellen.

Erneuerbare Energien: maximales Bedrohungsprotenzial für die Big4

Es kommt aber für die Ener­gie­kon­zer­ne noch schlim­mer: Eigen­ver­sor­ger, Bür­ger­en­er­gie (zum Bei­spiel Genos­sen­schaf­ten, die Wind­parks, Frei­flä­chen-Pho­to­vol­ta­ik-Anla­gen und Kom­bi-Kraft­wer­ke bau­en und betrei­ben) sowie kom­mu­na­le Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men stel­len plötz­lich Kon­kur­ren­ten dar. Dies machen den Kon­zer­nen ihr ange­stamm­tes Geschäft (näm­lich die allei­ni­ge Ver­sor­gung von Haus­hal­ten und Unter­neh­men mit Strom) streitig.

Es geht nicht nur dar­um, Strom auf ande­re Art und Wei­se zu produzieren.
Durch erneu­er­ba­re Ener­gien sind Markt­an­tei­le akut und in erheb­li­chem Umfang gefährdet.

Es geht also nicht nur um den erfor­der­li­chen Wech­sel der Her­stel­lungs­me­tho­de für Strom, son­dern auch um den Ver­lust von Markt­an­tei­len – und das poten­zi­ell in erheb­li­chem Umfang!
Die Metho­den und Maß­nah­men der ent­spre­chen­den Ver­mei­dungs­stra­te­gie der Kon­zer­ne ist völ­lig iden­tisch zu den bereits beschrie­be­nen Methoden:

  • Bewuss­te, akti­ve Ver­brei­tung von Falsch­mel­dun­gen (Fake News)
    Bereits im Kampf und die um die Kern­ener­gie (den sie letz­ten Endes ver­lo­ren haben) argu­men­tier­ten die Ener­gie­kon­zer­ne, das eine Ver­sor­gung mit erneu­er­ba­ren Ener­gien nicht in nen­nens­wer­tem Umfang mög­lich sei. So hieß es bei­spiels­wei­se in 1993 in einer in allen gro­ßen Zeit­schrif­ten ver­öf­fent­lich­ten Anzei­ge der deut­schen Strom­wirt­schaft: „… rege­ne­ra­ti­ve Ener­gien wie Son­ne, Was­ser und Wind kön­nen auch lang­fris­tig nicht mehr als vier Pro­zent unse­res Strom­be­darfs decken”.
    Niemals mehr als vier Prozent Erneuerbare
  • Ver­deck­tes Mar­ke­ting (lei­se PR)
    Die Initia­ti­ve Neue Sozia­le Markt­wirt­schaft (INSM) initi­ier­te 2012 die flä­chen­de­cken­de Anzei­gen- und Pla­kat­kam­pa­gne „EEG stop­pen, sonst schei­tert die Ener­gie­wen­de“, die Tag für Tag durch gleich­lau­ten­de Arti­kel in FAZ, Spie­gel, Focus, Welt usw. ver­stärkt wur­de. Ein­zel­hei­ten dazu auf die­ser Sei­te.
    INSM Kosten Energiewende
  • Lob­by­ing
    Durch Ein­fluss­nah­me auf den Inhalt bei­spiels­wei­se des Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Geset­zes (EEG) ist es den Ener­gie­kon­zer­nen gelun­gen, die­ses der­art umzu­ge­stal­ten, dass Strom umso teu­rer wird, je mehr die erneu­er­ba­ren Ener­gien den Bör­sen­strom­preis sen­ken. Alle Ein­zel­hei­ten zu die­sem Vor­gang, dem „EEG-Para­do­xon”, zum Bei­spiel hier.
    Auch das Mie­ter­strom­ge­setz macht es Ver­mie­tern nicht gera­de ein­fach, eine Immo­bi­lie mit einer Solar­an­la­ge aus­zu­stat­ten und den Mie­tern den damit erzeug­ten Strom güns­tig zu ver­kau­fen – letzt­end­lich also zum Nut­zen bei­der Parteien.
    Im wei­te­ren Ver­lauf wur­de – eben­falls durch geschick­tes Lob­by­ing – dafür gesorgt, dass zahl­rei­che Indus­trie­un­ter­neh­men die EEG-Umla­ge nur zu einem klei­nen Teil bezah­len muss­ten. Die feh­len­de Dif­fe­renz wur­de auf die übri­gen Ver­brau­cher umge­legt – was die EEG-Umla­ge wei­ter stei­gen ließ. Die Mes­sa­ge – ver­brei­tet durch lei­se PR – lau­te­te anschlie­ßend: „Die Erneu­er­ba­ren Ener­gien machen den Strom teuer!”.
    Wer sich das auf unter­halt­sa­me Wei­se erklä­ren las­sen möch­te, dem sei die Sen­dung „Die Anstalt, Aus­ga­be vom 1. Okto­ber 2019 emp­foh­len (ab 29:45).Desweiteren wur­de für eine Decke­lung des Pho­to­vol­ta­ik-Aus­baus gesorgt sowie eine Abstands­re­ge­lung für den Bau von Onshore-Wind­ener­gie­an­la­gen (die in der Regel von loka­len Genos­sen­schaf­ten gebaut und betrie­ben wer­den) ein­ge­führt, wel­che den Aus­bau von WEA ab 2018 prak­tisch ver­hin­dert hat.Aktuell sor­gen die Ener­gie­ver­sor­ger dafür, dass sie – im Rah­men des Koh­le­aus­stiegs­ge­set­zes – für das Abschal­ten ihrer prak­tisch wert­lo­sen Kraft­wer­ke fürst­lich ent­lohnt wer­den (LEAG) oder (im Fal­le von RWE) Kraft­wer­ke bis zum maxi­mal mög­li­chen Zeit­punkt lau­fen las­sen kön­nen. Damit habe ich mich bereits in einem vor­an­ge­hen­den Bei­trag ein­ge­hend beschäftigt.
  • Framing
    Durch Framing soll eine bestimm­te Bewer­tung einer Tat­sa­che, eines Ereig­nis­ses oder eines The­mas betont wer­den. Zu die­sem Zweck wird die eigent­li­che Infor­ma­ti­on in ein Deu­tungs­ras­ter (bei­spiels­wei­se ein ande­rer Begriff, mit dem Men­schen die gewünsch­te Deu­tung asso­zi­ie­ren) eingebettet.
    Die Tat­sa­che besteht in unse­rem Fall dar­in, dass Solar- und Wind­kraft­an­la­gen fluk­tu­rie­rend Strom pro­du­zie­ren. Ab etwa 2014 wird der von sol­chen Anla­gen erzeug­te Strom despek­tier­lich „Flat­ter­strom” (bzw. „Zap­pel­strom”) bezeich­net. Unter ande­rem ver­wen­det der Wirtschafts-(!)Wissenschaftler und ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten des ifo-Insti­tuts Hans-Wer­ner Sinn ver­wen­det die­sen Begriff Ende 2017 im Titel eines Vor­trags  („Wie viel Zap­pel­strom ver­trägt das Netz?”).
    Die­ser Bei­trag beschäf­tigt sich inten­siv mit Pro­fes­sor Sinn und ande­ren fun­da­men­ta­len Kri­ti­kern der Energiewende.
  • Green­wa­shing
    In Wer­be­kam­pa­gnen machen sich die Ener­gie­kon­zer­ne grü­ner als sie wirk­lich sind. Ein schö­nes Bei­spiel ist die Vat­ten­fall-Pla­kat­wer­bung Anfang 2011 („Ham­burg tankt grü­nen Strom”): Zu die­sem Zeit­punkt stamm­ten über neun­zig Pro­zent des von Vat­ten­fall in Deutsch­land pro­du­zier­ten Stroms aus der Ver­bren­nung von Koh­le.
    Hamburg tankt grünen Strom

Zusam­men­fas­send las­sen sich also hin­sicht­lich der Ener­gie­wirt­schaft fol­gen­de Vor­ge­hens­wei­sen ausmachen:

  • Ein­fluss­nah­me auf  Geset­ze durch Lob­by­ing, um
    • Ein­nah­men aus bestehen­den Kraft­wer­ken lang­fris­tig zu sichern
    • die Ener­gie­wen­de mög­lichst lan­ge hin­aus­zu­zö­gern und
    • die Errich­tung und den Betrieb von EE durch dezen­tra­le Anla­gen­be­trei­ber (Ein­zel­per­so­nen, Genos­sen­schaf­ten, Bür­ger­en­er­gie­ge­sell­schaf­ten, …) mög­lichst unwirt­schaft­lich zu machen
  • Schaf­fung und For­cie­rung neu­er zen­tra­ler Struk­tu­ren, wel­che den Ener­gie­er­zeu­gern lang­fris­tig Ein­nah­men sichern. Bei­spie­le hierfür: 
    • Errich­tung von Off­shore-Wind­parks in Nord- und Ostsee
    • (Staat­lich finan­zier­ter) Bau von HGÜ-Tras­sen (HGÜ = Hoch­span­nungs-Gleich­strom-Über­tra­gung; Strom­lei­tun­gen mit beson­ders hoher Kapa­zi­tät) quer durch die Republik
  • Durch­füh­rung von Mar­ke­ting­maß­nah­men, die ver­hin­dern sol­len, dass all­zu vie­le Strom­kun­den sich selbst ver­sor­gen oder zu ech­ten Öko­strom­an­bie­tern wechseln
    Begrif­fe wie „Öko­strom“, „Grün­strom“ und „Natur­strom“ sind nicht geschützt. In vie­len Öko­strom-Tari­fen ist in Wirk­lich­keit gar kein ech­ter grü­ner Strom drin: der Anbie­ter hat nur ein ent­spre­chen­des Zer­ti­fi­kat erwor­ben und kann so sei­nen Koh­lestrom umla­beln und als Öko­strom verkaufen.
    Die „gro­ßen Vier“ sind des­halb alle mit min­des­tens einer Zweit­mar­ke auf dem Öko­strom­markt ver­tre­ten. Auf die­ser Sei­te wird das detail­liert erläutert.

Wenn Du wei­te­re Ein­zel­hei­ten zu den Mecha­nis­men erfah­ren willst, emp­feh­le ich Dir das gera­de erschie­ne­ne Buch „Die Kli­maschmutz­lob­by: Wie Poli­ti­ker und Wirt­schafts­len­ker die Zukunft unse­res Pla­ne­ten ver­kau­fen

Andere Themenfelder, gleiche Methoden

Wie ich bereits ein­gangs erwähnt habe, funk­tio­nie­ren die beschrie­be­nen Stra­te­gien, Mecha­nis­men und Metho­den in der Auto­mo­bil­in­dus­trie genau­so. Glei­ches gilt ver­mut­lich für die Lebens­mit­tel­in­dus­trie, die Tier­hal­tung, die Fleisch­ver­ar­bei­tung, und, und, und…

Was kann jeder einzelne dagegen unternehmen?

Bleibt noch die Fra­ge, was jeder ein­zel­ne von uns gegen den Kli­ma­wan­del und die Mono­pol­stel­lung der gro­ßen Ener­gie­kon­zer­ne unter­neh­men kann? Nach­fol­gend eini­ge geeig­ne­te Vorschläge.

  • Ände­re Dein eige­nes Verhalten
    Der Natur­schutz­bund Deutsch­land e.V. (NABU) hält auf die­ser Sei­te 77 kon­kre­te Tipps bereit.
  • Betei­li­ge Dich aktiv an der dezen­tra­len Energiewende
    Ihr habt bereits eine Solar­an­la­ge auf dem Dach? Pri­ma, dann erzäh­le ande­ren von Dei­nen posi­ti­ven Erfahrungen!
    Falls nicht: über­le­ge eine zu bau­en oder sprich mit Dei­nem Vermieter.
    Soll­te das nicht mög­lich sein, bezie­he Dei­nen Strom von einem Anbie­ter, der die­sen aus hun­dert Pro­zent erneu­er­ba­rer Ener­gie erzeugt. Die­se Sei­te bie­tet einen Über­blick über die in Fra­ge kom­men­den Anbieter.
  • Unter­stüt­ze Orga­ni­sa­tio­nen durch eine Spende
    Orga­ni­sa­tio­nen wie lob​by​con​trol​.de, green​peace​.de oder BUND (es gibt noch wei­te­re) benö­ti­gen Finanz­mit­tel, um Ihre Arbeit fort­zu­set­zen – unab­hän­gig von Poli­tik, Par­tei­en und Industrieunternehmen.
  • Sei wach­sam
    Ach­te auf alle Akti­vi­tä­ten von Unter­neh­men (Lob­by­or­ga­ni­sa­tio­nen wie z. B. die INSM, Ban­ken, Kon­zer­ne, …), die sich GEGEN eine bewohn­ba­re Erde rich­ten. Tei­le ent­spre­chen­de Infor­ma­tio­nen auf allen sozia­len Netz­wer­ken, damit sie sich verbreiten.
  • Wer­de laut
    • Enga­gie­re Dich in einer der loka­len For-Future- oder XR-Gruppen
      Ansprech­part­ner fin­dest Du hier, hier und hier.
    • Sprich den für Dei­nen Wahl­kreis zustän­di­gen Bun­des- oder Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten auf das The­ma an
      Die­sen fin­dest Du am ein­fachs­ten über die Sei­te abge​ord​ne​ten​watch​.de heraus.
    • Infor­mie­re Dich bei Kom­mu­nal­po­li­ti­kern, was Dein Wohn­ort für den Kli­ma­schutz und die dezen­tra­le Ener­gie­wen­de unternimmt
      Kli­ma­schutz muss auch auf kom­mu­na­ler Ebe­ne statt­fin­den. Auch wenn Du Dich nicht in einer bestimm­ten Par­tei enga­gie­ren möch­test, kannst Du den­noch an öffent­li­chen Sit­zun­gen des Stadt­rats teil­neh­men oder unab­hän­gig davon Kom­mu­nal­po­li­ti­ker auf die The­men ansprechen.

#SystemChangeNotClimateChange

Wie bereits oben erwähnt, ist die sys­tem­be­ding­te Fokus­sie­rung von Unter­neh­men auf Umsatz und Ertrag eine der wesent­li­chen Ursa­chen für ihr Ver­hal­ten. Es ist also an der Zeit, dass Sys­tem zu ändern. Aber was könn­te die sozia­le Markt­wirt­schaft ablösen?

Die Gemein­wohl-Öko­no­mie eta­bliert ein ethi­sches Wirtschaftsmodell.
Das Wohl von Mensch und Umwelt wird zum obers­ten Ziel des Wirtschaftens.

Klingt nach einem inter­es­san­ten Ansatz, oder? Hier gibt es mehr Infor­ma­tio­nen dazu.

Nicht verlinkte Quellen

J. B. J. Fou­rier: Remar­ques Géné­ra­les Sur Les Tempé­ra­tures, in: Du Glo­be Ter­rest­re Et Des Espaces Pla­né­tai­res. In: Bur­gess (Hrsg.): Anna­les de Chi­mie et de Phy­si­que. Band 27, 1824, S. 136–167.

Ste­fan Rahmstorf, Urs Neu: Kli­ma­wan­del und CO2: haben die “Skep­ti­ker” recht?

Kli­ma-sucht-Schutz: Was sind die Ursa­chen des Klimawandels?

1 Antwort
  1. Ralf Boecker
    Ralf Boecker sagte:

    http://​www​.de​.cli​ente​arth​.org/​a​b​s​p​r​a​c​h​e​n​-​m​i​t​-​k​o​h​l​e​l​o​b​b​y​-​j​u​r​i​s​t​i​n​n​e​n​-​f​o​r​d​e​r​n​-​t​r​a​n​s​p​a​r​e​n​z​-​p​e​r​-​e​i​l​v​e​r​f​a​h​ren ➭ Cli­entE­arth for­dert Trans­pa­renz bei Mil­li­ar­den für Koh­le-Ent­schä­di­gung (26.06.20):
    "gol­de­ner Hand­schlag für Koh­le­be­trei­ber, obwohl Stu­di­en bele­gen, dass Braun­koh­le wirt­schaft­lich künf­tig weder ren­ta­bel noch zur Deckung des Ener­gie­be­darfs not­wen­dig sein wird"

    DUH Dos­sier zur Ver­trau­ens­wür­dig­keit von Alt­mai­ers Fos­sil-Minis­te­ri­um, das von Lob­by­is­ten zu brum­men scheint, wie ein Wespennest…
    http://​www​.duh​.de/​p​r​e​s​s​e​/​p​r​e​s​s​e​m​i​t​t​e​i​l​u​n​g​e​n​/​p​r​e​s​s​e​m​i​t​t​e​i​l​u​n​g​/​d​e​u​t​s​c​h​e​-​u​m​w​e​l​t​h​i​l​f​e​-​d​e​c​k​t​-​a​u​f​-​w​i​e​-​d​i​e​-​i​n​t​i​m​e​-​b​e​z​i​e​h​u​n​g​-​z​w​i​s​c​h​e​n​-​g​a​s​l​o​b​b​y​-​u​n​d​-​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​s​m​i​n​i​s​t​e​riu ➭ Alt­mai­ers Ami­gos von der Gas-Lob­by (23.06.20)

    + Ruf nach Gerech­tig­keit im Unrecht:
    http://​www​.ener​ga​te​-mes​sen​ger​.de/​n​e​w​s​/​2​0​2​6​7​7​/​n​e​u​e​-​s​t​e​i​n​k​o​h​l​e​-​l​o​b​b​y​-​e​r​h​o​e​h​t​-​d​r​u​c​k​-​b​e​i​-​k​o​h​l​e​a​u​s​s​t​i​e​g​s​g​e​s​etz
    ➭ Neue Stein­koh­le-Lob­by bean­sprucht Gleich­be­hand­lung mit Braun­koh­le-Ent­schä­di­gung (22.05.20):
    "Alli­anz jun­ger Stein­koh­le­kraft­wer­ke" will auch von Steu­er­geld für Koh­le­aus­stieg pro­fi­tie­ren + Sub­ven­tio­nen für Umrüs­tung auf Erd­gas & "Ersatz­brenn­stof­fe"

    Dar­um:
    http://​cam​pact​.org/​l​o​b​b​y​t​r​a​n​s​p​a​r​e​n​z​-um ➭ Kam­pa­gne für mehr Lobby-Transparenz

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