"America first“ oder: Wie (nicht nur) wir den American way of life finanzieren

Zuletzt aktua­li­siert am 17. Okto­ber 2025 durch Jür­gen Voskuhl

Der Begriff "Ame­ri­ca First" ist bei­lei­be kei­ne Erfin­dung von "The Donald": er wur­de nach­weis­lich schon 1940 ver­wen­det. Seit­her hat sich die Bedeu­tung aller­dings erheb­lich geän­dert. Berück­sich­tigt man Ereig­nis­se der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit und der Gegen­wart, kann man zu dem Schluss kom­men, das es aus­schließ­lich dar­um geht, Drit­te den "Ame­ri­can way of life" finan­zie­ren zu lassen.

"America first" damals und heute

Der Begriff "Ame­ri­ca First" wur­de bereits 1940 ver­wen­det, wie man hier nach­le­sen kann.
Dem Ame­ri­ca First Com­mit­tee ging es damals pri­mär um die eige­ne Ver­tei­di­gung und dem Her­aus­hal­ten aus Krie­gen (ein­schließ­lich der Unter­stüt­zung einer Kriegs­par­tei). Seit­dem hat sich eini­ges geändert.

America first

Betrach­tet man die Mili­tär­ope­ra­tio­nen, in denen die USA nach 1945 invol­viert waren, kann man zu dem Schluss kom­men, das es anfäng­lich (1950 bis 1953 Korea, 1961 Kuba, 1964 – 1975 Laos/​Vietnam/​Kambodscha, 1977 ‑1992 El Sal­va­dor, …) pri­mär um geo­po­li­ti­sche Inter­es­sen ging. Jaja, der böse Kommunismus…

Gulf War Photobox.jpgDies hat sich danach jedoch gra­vie­rend geän­dert! Noch in den 80ern unter­stüt­ze man den Irak und Sad­dam Hus­sein im Krieg gegen den (ehe­mals befreun­de­ten) Iran (dort haben die USA in den 50ern den Schah unter­stützt und mit Unter­stüt­zung der CIA an die Macht gebracht). Kon­kret nah­men die USA den Irak 1982 von ihrer Lis­te der Ter­ror­staa­ten, damit US-Fir­men Waf­fen an die ira­ki­sche Sei­te ver­kau­fen durften.
Ab 1990 führ­te man dann Krieg gegen gegen den Irak. Und zwar eben­falls aus hand­fes­ten wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen. Kon­kret: dem Zugriff auf das Erdöl.
Dies wird vor allem bei der vor­ge­scho­be­nen Begrün­dung des Irak­kriegs von 2003 deut­lich: der "wach­sen­den aku­ten Bedro­hung durch Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen des Irak" steht die Tat­sa­che gegen­über, das bis zum heu­ti­gen Tage kei­ner­lei Mas­sen­ver­nich­tungs­mit­tel gefun­den wur­den. Der Bericht der 9/11-Kom­mis­si­on vom Juli 2004 wider­legt außer­dem die "Ver­bin­dung zum Ter­ror­netz­werk Al-Qai­da", die eben­falls als Kriegs­grund bemüht wurde.

Aus mei­ner Sicht ist daher 1982 die eigent­li­che Geburts­stun­de des "Ame­ri­ca first" im Sin­ne der Antritts­re­de des aktu­el­len ame­ri­ka­ni­schen Präsidenten.

Es geht aus­schließ­lich um die Berei­che­rung eines Lan­des (näm­lich den USA) auf Kos­ten Dritter!

Um sei­ne "wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen" durch­zu­set­zen, muss man aber nicht gleich einen Krieg anzet­teln, wie wir gleich sehen werden.

Die Weltfinanzkrise

Die Welt­fi­nanz­kri­se ab 2008 war unter ande­rem Fol­ge eines spe­ku­la­tiv auf­ge­bläh­ten Immo­bi­li­en­markts in den USA. Die Stra­te­gie der bei­den staat­li­chen Bau­fi­nan­zie­rer Fred­die Mac und Fan­ny Mae damals: Auf­split­tung und Ver­äu­ße­rung "fau­ler Kre­di­te" an aus­län­di­sche Großbanken.

In Deutsch­land traf es die Hypo Real Estate. Auch der bri­ti­sche Bau­fi­nan­zie­rer Brad­ford & Bin­g­ley und der bel­gisch-nie­der­län­di­sche Bank­kon­zern For­tis wur­den durch Mil­li­ar­den an Staats­gel­dern vor dem Aus bewahrt.

Im Klar­text: Der ver­schwen­de­ri­sche ame­ri­ka­ni­sche Lebens­stil wur­de damals mit euro­päi­schem Geld finanziert!

Weltfinankrise 2008

Natür­lich haben sei­ner­zeit auch die USA Fred­die Mac und Fan­ny Mae unter die Arme gegrif­fen. Die­ses Geld haben bei­de Unter­neh­men aber inzwi­schen offen­sicht­lich bereits wie­der zurück­ge­zahlt, wie man auf https://​www​.faz​.net/​-​g​q​g​-​7​e​w0k nach­le­sen kann.

Die Baysanto-Story

Vor die­sem Hin­ter­grund drängt sich die Fra­ge auf, wel­che Stra­te­gie eigent­lich hin­ter dem Mons­an­to-Deal steckt.
Klar ist heu­te, dass die Bay­er-Füh­rung die Risi­ken der Mons­an­to-Über­nah­me unter­schätzt hat. Aber wenn der Vor­stands­vor­sit­zen­de Bau­mann sagt "Wir haben die­ses hohe Pro­zess­ri­si­ko nicht gekannt." fra­ge ich mich, wie jemand mit so gren­zen­lo­ser Nai­vi­tät eigent­lich Vor­stands­vor­sit­zen­der eines DAX-Kon­zerns gewor­den ist? Oder wur­den da etwa von ame­ri­ka­ni­scher Sei­te bewusst Nebel­ker­zen gewor­fen, um bestimm­te Din­ge zu vertuschen?

Rich­tig pikant wird es, wenn man weiß, das auf bei­den Sei­ten des Ver­hand­lungs­ti­sches die­sel­ben Ent­schei­der geses­sen haben: die US-ame­ri­ka­ni­sche Fonds­ge­sell­schaft Black­Rock war 2016 mit einem Anteil von sie­ben Pro­zent der größ­te Aktio­när bei Bay­er und mit 5,75 Pro­zent die Num­mer zwei bei Mons­an­to (https://​sz​.de/​1​.​3​1​7​0​377).

Dazu passt ein Zitat von Hen­ry Kis­sin­ger:

Wer das Öl kon­trol­liert, ist in der Lage, gan­ze Natio­nen zu kon­trol­lie­ren; wer die Nah­rung kon­trol­liert, kon­trol­liert die Menschen.

Man darf gespannt sein, wie die Bay­san­to-Geschich­te ange­sichts der mehr als 13.400 anhän­gi­gen Kla­gen wei­ter­geht. Im Prin­zip könn­ten US-ame­ri­ka­ni­sche Gerich­te die Bay­er-Aktio­nä­re aus­neh­men wie eine Weih­nachts­gans. Und viel­leicht kommt ja am Ende wie­der das Prin­zip "Too big to fail" ins Spiel – und der deut­sche Steu­er­zah­ler darf auch noch sein Scherf­lein bei­tra­gen – zum Woh­le von Bay­er – und damit indi­rekt auch zum Woh­le von US-Bür­gern (und damit mei­ne ich nicht aus­schließ­lich die Geschä­dig­ten: da ver­die­nen schließ­lich auch Gerichts­be­diens­te­te, Anwalts­kanz­lei­en, usw. mit): es gilt halt "Ame­ri­ca first".

ZTE, Huawei & Co.

Huawei ZTEWen­den wir uns abschlie­ßend einem ande­ren aktu­el­len Schau­platz zu: Die USA war­nen seit Mona­ten ein­dring­lich vor dem chi­ne­si­schen Netz­werk­aus­rüs­ter und Smart­phone­bau­er Hua­wei. Der Vor­wurf aus dem Wei­ßen Haus: Chi­nas Regie­rung könn­te den Kon­zern dazu brin­gen, den Wes­ten mit sei­ner Tech­nik aus­zu­spio­nie­ren. Stich­hal­ti­ge Bewei­se dafür – so es sie denn über­haupt gibt – wur­den bis­lang aller­dings nicht öffent­lich gemacht.

Statt­des­sen wird zur Begrün­dung ger­ne ein chi­ne­si­sches Gesetz aus dem Jahr 2017 ange­führt. Die­ses Gesetz ver­pflich­tet Hua­wei (übri­gens auch alle ande­ren chi­ne­si­schen Fir­men und Indi­vi­du­en) zur Zusam­men­ar­beit mit den chi­ne­si­schen Geheimdiensten.

Ich kann dabei kei­nen wesent­li­chen Unter­schied zum im März 2018 unter­zeich­ne­ten US-ame­ri­ka­ni­schen CLOUD Act (Cla­ri­fy­ing Lawful Over­se­as Use of Data Act) erkennen!

Inzwi­schen hat Prä­si­dent Trump Hua­wei auf eine schwar­ze Lis­te von Unter­neh­men gesetzt, deren Geschäfts­be­zie­hun­gen zu US-Part­nern stren­gen Kon­trol­len unter­lie­gen. Hua­wei darf somit nur noch sehr ein­ge­schränkt belie­fert werden.

Damit ver­hält sich der US-ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent also exakt so, wie er es der chi­ne­si­schen Regie­rung unterstellt!

Einen ähn­li­chen Vor­fall gab es übri­gens auch schon im ver­gan­ge­nen Jahr: Damals hat­te der chi­ne­si­schen Netz­aus­rüs­ter und Smart­phone-Her­stel­ler ZTE sich erlaubt, Waren in den mit Han­dels­sank­tio­nen beleg­ten Iran zu lie­fern. Um sich wei­ter­hin Zugang zum US-Markt zu sichern, zahl­te ZTE am Ende eine Stra­fe in Höhe von ins­ge­samt 1,9 Mil­li­ar­den US-Dol­lar an die USA.

Man darf also gespannt sein, wie sich Hua­wei mit den USA einigt…

Weiterführende Lektüre

Gaby Weber/​Telepolis: Ame­ri­ca First oder wer pro­fi­tiert vom Deal Bayer-Monsanto?

Süd­deut­sche Zei­tung, 14.5.2019: Minen­feld Monsanto

Welt, 21.5.2019: Trump und das Hua­wei-Pro­blem in der Hosentasche

n‑tv, 7.6.2018: USA eini­gen sich mit Kon­zern in China

Wiki­pe­dia: Lis­te der Mili­tär­ope­ra­tio­nen der Ver­ei­nig­ten Staaten

FAZ v. 8.8.2013: Ame­ri­ka ver­dient bald mit der Ret­tung der Hypothekenbanken

 

 

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